Jumat, 04 Januari 2013

Fasnacht im Mittelalter


Verboten war der Genuss von Alkohol (allerdings nur Wein, nicht Bier), und schließlich bezog sich das Gebot der Enthaltsamkeit auch auf die Sexualität. Kein Wunder, dass es an den "tollen Tagen" in jeder Hinsicht hoch herging, zum wachsenden Missfallen der Kirche. Diese sah in der Fasnacht zunehmend eine Gegenwelt zur Welt des Heils, die der Mensch nur in der konsequenten Hinwendung zu Gott erfahren könne, nicht aber in der Hingabe an weltliche Genüsse. Die Welt der Fasnacht wurde als gottlos, ja, teuflisch angesehen, und in ihr regierte die Figur des Narren, der bereits im Psalm 53 der Bibel als derjenige charakterisiert wird, der sagt: "Es gibt keinen Gott."

Auf die Verurteilungen der Kirche reagierten die Feiernden, indem sie sich erst recht als Teufel oder Narr verkleideten. Die Teufelsfigur ist eine der ältesten der Fasnacht, und der Narr wurde in den verschiedensten Ausprägungen zu der zentralen Figur der Fasnacht, die er bis heute geblieben ist. Auch andere beliebte Figurentypen wie Tierfiguren, zum Beispiel der Villinger "Butzesel", oder "wilde Männer" symbolisierten ursprünglich Gottesferne oder Lasterhaftigkeit. Bis ins Mittelalter zurückverfolgen lässt sich der Brauch, die Tage vor der Fastenzeit mit Schlemmen und Saufen und mit ausgelassenem Treiben in den verschiedensten Verkleidungen zu feiern.

Eine der ältesten Darstellungen fasnachtlichen Treibens zeigt den Nürnberger Metzgertanz. Seit dem 15. Jahrhundert durften die Metzger in Nürnberg zu Fasnacht einen eigenen Tanz aufführen, bei dem sie sich gegenseitig an Wurstringen festhielten. Die Metzger hatten damals allen Grund, vor der Fastenzeit noch einmal "die Sau rauszulassen", denn ihr Berufsstand war wie kaum ein anderer von der Fastenzeit betroffen. Nach Aschermittwoch bis kurz vor Ostern blieben sie beschäftigungslos. Aber nicht nur die Metzger waren betroffen, die Abstinenzgebote der Fastenzeit trafen die gesamte Bevölkerung empfindlich. Verboten waren nicht nur das Fleisch, sondern alle aus Großvieh- und Geflügelhaltung gewonnenen Nahrungsmittel: Schmalz, Fett, Milch, Butter, Käse, Eier. Aus der Notwendigkeit, all diese Dinge möglichst vor der Fastenzeit noch aufzubrauchen, entstand unter anderem der Brauch, an Fasnacht die traditionellen schmalzgebackenen und reichlich Eier enthaltenden Fasnachtskrapfen oder -küchlein zu essen. Auch die im Südwesten verbreitete Bezeichnung "schmutziger/schmotziger Donnerstag" für den ersten der "tollen Tage" kommt daher, denn Schmutz/Schmotz bedeutet Fett.

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